Polyamorie für Einsteiger

Kurze Texte
Über mich
Beratung und Coaching

Google AdSense Joomla

Vorwort PDF Drucken E-Mail

Was verbirgt sich hinter diesem Wort? Poly heißt mehrere, und Amor Liebe. Es handelt sich um den Lebensstil, oder die Kunst, mehrere zu lieben. Mehrere Kinder zu lieben fällt uns nicht schwer, und die meisten haben mehrere gute Freunde.

Wenn aber der Eros mit dazu kommt, dann scheinen wir alle regelmäßig über die Tücken der Biologie zu stolpern. Oder ist es doch nur die kulturelle Konditionierung?

Ich sehe im Menschen das Bedürfnis nach Verbindlichkeit, nach langen, möglichst lebenslangen Bindungen und Beziehungen ebenso wie das Bedürfnis nach Abwechslung.

Will man beide Bedürfnisse berücksichtigen, so gibt es nur die Lösung einer verbindlichen Ehe mit gelegentlichen Seitensprüngen (offene Ehe) oder die polyamore Lebensweise.

Zwischen beiden Modellen besteht ein fließender Übergang.

Die Risiken einer promisken Lebensweise sind hinreichend dokumentiert. Meiner Ansicht nach ist ein promisker Lifestyle so gut wie immer eine Übergangsphase, die sich in einen polyamoren oder einen monogamen letztendlich auflöst.

Polyamore Menschen betrachten die Liebe, und zwar auch die sinnlich-sexuelle als eine Kraft, die sich ausbreiten will und verstehen nicht, warum sie der gesellschaftlichen Prägung folgen sollen, intensive Verbindung nur mit einem Menschen zu teilen.

Meiner Ansicht nach haben sehr viele Menschen diese polyamoren Tendenzen mehr oder weniger ausgeprägt. Ich rechne damit, dass sie sogar eine Mehrheit sind. Ihnen fehlen allerdings innere und äußere Modelle, um sich für diesen Lebensstil zu entscheiden.

Deshalb entscheiden sie sich für Monogamie mit geheim gehaltenen Seitensprüngen (eigentlich eine Art heimliche Polyamorie) oder aber sukzessive Monogamie, was auch auslaugend sein kann. Die entscheidenden sozialen Funktionen der Familienzelle (innere Sicherheit, Kinderaufwachsen, Altenversorgung), kann so ein Lebensstil nicht mehr erfüllen. Es entstehen mehr und mehr Patchworkfamilien, mit den Vor- und vor allem Nachteilen für die betroffenen Kinder.

Die Zahl der wirklich monogamen Verbindungen von lebenslanger Dauer ist am Schwanken (ich würde sie auf ca. 20 % schätzen). Welche dieser Verbindungen wirklich Qualität haben, z.B. ein intaktes Sexualleben bis ins Alter, Inspiration etc., da komme ich auf unter 10%.

Tatsache ist, dass die wenigsten es wirklich schaffen, ihr ganzes Leben lang monogam mit einem Partner zu sein und damit glücklich sind. Viele wünschen sich auch mal Abwechslung, und so manch eineR verliebt sich nach Jahren der Ehe plötzlich unsterblich in jemand anderen. Auf der anderen Seite ist es für die meisten eine Katastrophe, wenn der Partner fremdgeht oder sich andersweitig verliebt. Die Eifersucht steckt hier Grenzen ab, die undurchdringlich scheinen.

Das führt dazu, dass viele eben heimlich fremdgehen (nach seriösen Schätzungen haben das 65% der Männer und 60% der Frauen mindestens einmal in ihrem Leben gemacht), oft mit fatalen Folgen für das Vertrauen in der Beziehung.

Einige allerdings kommen auch in die Lage, es mal offen zu versuchen, und dem Partner das mitzuteilen. In vielen Fällen führt das nur zu Verletzung, oder gar zum Ende der Beziehung.

Es gibt aber auch Menschen, die dieses Lebensthema, das uns alle umtreibt, an seiner Wurzel packen und sich entschieden haben, es mal mit offenen Beziehungen zu versuchen. Diesen Lebensstil bezeichnet man als Polyamorie.  Wer polyamor lebt, hat erotischen Kontakt mit mehr als einer Person oder ist dafür prinzipiell offen. Die Kommunikation wird so geführt, dass alle voneinander wissen. Und, auch noch wichtig: eine Voraussetzung für Poly ist, dass das recht, mit anderen zu sein, beiden gleichermaßen zugestanden wird. Also z.B. die Mehrehe der Mormonen, wo ein Mann mehrere Frauen haben kann, ist nicht Poly. Als letzte Bedingung: in der Polyamorie geht es um Liebe und Beziehung, nicht (nur) um Sex. Das heißt, die Beziehungen und Verhältnisse sind langfristig angelegt, und nicht nur für eine Nacht. Das unterscheidet Polys hauptsächlich von Swingern, obwohl es da auch fließende Übergänge gibt.

Nach vielen Jahren, in denen ich so gelebt habe, kann ich sagen: Polyamorie ist ein integrer Lebensstil, der zu langen, befriedigenden, tiefen und liebevollen Beziehungserfahrungen führt und nicht etwa oberflächlich und egoistisch ist. Poly ist nicht zuletzt auch eine Möglichkeit, als Paar zusammenzubleiben und die Kinder gemeinsam großzuziehen, ohne in Patchwork-Familien auseinanderzufallen.

Wer einmal solche Menschen kennen lernt, ist oft positiv überrascht. Die meisten sind auch nicht ständig mit Sex oder Beziehung beschäftigt.  

Es gibt sicherlich viele Menschen, die das nicht können und wollen. Diejenigen aber, die so fühlen, können auch Mittel und Wege finden, die Eifersucht zu überwinden oder doch so zu dämpfen, dass sie nicht mehr das ganze Denken und Fühlen blockiert.

Wer lebt Poly? Meiner Recherche nach sind das in den USA etwa 100.000 Personen und etwa die gleiche Anzahl in Europa. Ein prominentes Beispiel war das Philosophenpaar Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Ein anderer bekannter Fall ist der Filmemacher Dieter Wedel. Der Psychoanalytiker Michael Lukas Möller tat dies, schließlich viele Menschen in Gemeinschaftsprojekten wie dem ZEGG, und auch in unserer Gemeinschaft Noyana sind die meisten so eingestellt, wir inklusive. Auch bei tantrisch interessierten Menschen gibt es eine starke Überschneidung mit dem Poly-Thema. Unsere Erfahrung aus Seminaren ist da auch: es gibt viel Sehnsucht und wenig Wissen, wie es geht! Die meisten wollen viel zu viel auf einmal, sind dann überfordert und wenden sich ganz ab.

Mir ist es wichtig, eine Plattform zu schaffen für andere, die ähnlich denken und fühlen. Mir geht es nicht drum, Menschen zu Poly zu bekehren. Ich finde auch die Monogamie gut und richtig und setze mich dafür ein, dass Singles einen Partner finden und dass Paare zusammenbleiben und sich weiterentwickeln.

Worum es mir geht: Poly ist ein ehrenhafter und integrer Lebensstil und er kann funktionieren, wenn man einige wichtige Regeln beachtet. Leider ist das alles zu wenig bekannt.

Das Problem bei polyamoren Verbindungen: sie brauchen ein Umfeld, in dem sie gedeihen können, also mindestens einen aktiven Freundeskreis von Gleichgesinnten. Um wirklich zu funktionieren, ist diese Form des Beziehungslebens in Europa (anders als in den USA) schlicht noch zu unbekannt.

In solchen Freundeskreisen können Modelle des Zusammenlebens erprobt werden, kann man sich gegenseitig unterstützen, ermutigen und beraten. Vor allem bleibt man beim Thema der Eifersuchtsbewältigung nicht mehr so alleine.

Überhaupt ist das geistige Klima wichtig, und dass man einen Verstärkungshintergrund Richtung Polyamorie hat. Unsere restliche Gesellschaft verstärkt sonst alles in Richtung Monogamie, was aber trotzdem nicht gut funktioniert.

Wichtig ist überhaupt erst die Info, dass es geht!

Nicht zuletzt deswegen mache ich diese Seite und schreibe ich mein Buch.

 
Weiter >
© 2010 Polyamorie
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.